Die Zeitung "Volksstimme" schreibt...
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Ohrekreis - Die neun Auftritte der Big-Band Wolmirstedt zum Heritagefest in New Ulm, USA-Bundesstaat Minnesota, waren Balsam auf die Seele der Musiker und Sänger, die hierzulande kaum noch gebucht werden. Sie waren die Stars der traditionsreichen Festspiele, die alljährlich im Juli in der von Deutschen vor 150 Jahren gegründeten Kleinstadt in Mittelamerika stattfinden. Jedes der eineinhalbstündigen Konzerte der Wolmirstedter, die in Amerika
unter ihrem alten Namen "Bergmannsorchester Wolmirstedt" auftreten,
war ein großer Erfolg. Tausende Besucher applaudierten begeistert und sangen
viele der deutschen Lieder mit. Kein Wunder! Die meisten der 15000 Einwohner
sind deutscher Abstammung. New Ulm gilt als "Deutschland in
Minnesota", wurde vor 150 Jahren von deutsch-böhmischen Einwanderern gegründet.
Das Heritagefest will an die deutschen Wurzeln erinnern, ist das wichtigste
kulturelle Ereignis in der beschaulichen Kleinstadt in Mittelamerika. Und so
staunten die deutschen Gäste: So viele Frauen im zünftigen Dirndl oder Männer
mit Lederhose und Gamsbart am Hut sieht man sonst wohl nur zum Oktoberfest in München.
Über die Festwiese zog ein Duft von frischgezapftem Bier, Bratwurst und
Sauerkraut. An Verkaufsständen wurde viel feilgeboten, was die Amerikaner für
typisch deutsch halten: Weihnachtsbaumschmuck etwa. Selbstgestricktes aus
Schafwolle (und das bei schweißtreibenden 35 Grad) und selbstverständlich
Gartenzwerge in allen Variationen. Auf diesen Anspruch haben die
amerikaerfahrenen Wolmirstedter ihr Programm ausgerichtet. Blasmusik und volkstümliche
Titel wie "Rosamunde" oder "Zickezacke, Zickezacke"
wechselten sich mit gefühlvoller Pop-Musik aus den 70er Jahren, unter anderem
"Stimmen im Wind", und international bekannte Titeln wie "Que
Sera, Sera" und das unverwüstliche "Arivederci Roma" ab. Durch
das Programm führte Sänger Burkhard Goers aus Rogätz. An seiner Seite die
Colbitzerin Bettina Sieb mit ihrer warmen, vollen Stimme, Gründungsmitglied der
Band. Als Kontrast dazu die mehr flippige Rose-Lore Brenner. Die Sängerin aus
Elbingerode gehört seit zwei Jahren zum Ensemble. Neu im Programm war der
"Holzmichel" - Hitparadenstürmer in Deutschland. Aber ob das in
Amerika ankommt? Bettina Sieb drängte drauf - zum Glück! Die New Ulmer
gerieten förmlich aus dem Häuschen, als das Lied beim Eröffnungskonzert seine
Premiere hatte. In der Nacht zuvor hatte Techniker Michael Morche den Sprechtext
für Goers übersetzt, der Refrain wurde deutsch gesungen. Bereits beim ersten
Auftritt sprangen die Zuschauer von den Plätzen, warfen die Arme hoch und
sangen mit Inbrunst "Ja er lebt noch!" Ihre Feuertaufe beim
Amerika-Konzert bestanden auch fünf Jugendliche, die erstmals den Trip über
den großen Teich wagten - Sascha Ziep, Mareen Pape und Sahra Schemel - Schützlinge
von Olaf Krebs, langjähriger Saxophonist in der Band und Musikschullehrer im
Ohrekreis, sowie Nadja Schwaneberg. Die 16-Jährige aus Samswegen spielt seit
zehn Jahren Akkordeon und wurde 2003 Mitglied der Band. "Die Amerika-Reise
war eine besondere Erfahrung, hat mir sehr gut gefallen", sagt die
Gymnasiastin, die vielleicht Jura studieren und auf jeden Fall der Musik treu
bleiben will.
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